Oktober/November 2017

Entschämt euch!

Von Pascal Görtz

Ein Freund von mir ist Freelancer. Irgendwas im Bereich „Human Resources“, oder altdeutsch: Personalentwicklung. Bis er arbeiten darf, muss er sich den Mund fusselig reden, Konzepte ins Blaue hinein schreiben und dann eine Menge Geduld aufbringen. Würde ich so häufig wie er mit potentiellen Kunden zu Abend essen, um mir in der Woche drauf telefonisch eine Absage einzuhandeln, mir würde der Appetit vergehen.

Kaltaquise nennt man das. Was auf nichts anderes hinausläuft als auf eine blutige Nase. Für meinen Freund ist Scheitern deshalb eine Alltagserfahrung, die ihn nicht mehr davon abhält, es wieder zu probieren. Ich finde das sehr löblich – nein: beeindruckend. Wie oft lassen wir uns von Misserfolgen der Vergangenheit die Gegenwart erdrücken? Wie viel wagen wir erst gar nicht, weil wir uns das Gefühl des Scheiterns ersparen wollen?

Das Verrückte ist doch: Das Scheitern der Anderen finden wir gar nicht so schlimm. Damit können wir gut umgehen. Dafür haben wir Verständnis. Gegenstände fallen mal runter, Beziehungen entfremden sich, Lebensläufe haben Lücken. Das alles darf passieren. Aber doch MIR nicht! Oder besser noch: Warum gerade MIR? Als sei es ein besonderes Schicksal oder Gottes Strafe, wenn wir die Dinge mal nicht auf die Reihe kriegen.

Niemand kann sich davor schützen, im Leben zu scheitern. Nicht mal Christen. Ich weiß: Das ist ein großer Schock für alle, die dachten, mit Gott würde ihnen so etwas nicht passieren. Andererseits: Wäre das nicht ziemlich arrogant gegenüber all denen, die immer wieder scheitern? Warum machen wir uns nicht mal eins mit denen, die wir vor unseren Augen scheitern sehen, übernehmen unseren Teil der Verantwortung und hören auf, uns selbst zu verurteilen, wenn wir mal straucheln?

Ich will keine Niederlage auf die leichte Schulter nehmen, keine Schuld beschönigen und kein Gefühl verdrängen. Aber das Scheitern in die Mitte des menschlichen Erfahrungsschatzes stellen. Und sagt: Scheitern ist so normal, dafür muss sich niemand schämen.
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August/September 2017

Die Seligpreisungen

Als er aber das Volk sah, ging er auf einen Berg.

Und er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm.

Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach:

Selig sind, die da geistlich arm sind;

denn ihrer ist das Himmelreich.

Selig sind, die da Leid tragen;

denn sie sollen getröstet werden.

Selig sind die Sanftmütigen;

denn sie werden das Erdreich besitzen.

Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit;

denn sie sollen satt werden.

Selig sind die Barmherzigen;

denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.

Selig sind, die reinen Herzens sind;

denn sie werden Gott schauen.

Selig sind, die Frieden stiften;

denn sie werden Gottes Kinder heißen.

Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden;

denn ihrer ist das Himmelreich.

Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen

und verfolgen und allerlei Böses gegen euch reden und dabei lügen.

Seid fröhlich und jubelt; es wird euch im Himmel reichlich belohnt

werden. Denn ebenso haben sie verfolgt die Propheten, die vor euch

gewesen sind.

Matthäus 5, 1-12

Gemeindebrief 156 (PDF, 1.3MB)

Juni/Juli 2017

Rückschau: Einsegnungsfeier

Liebe Freunde der FeG Freital,

am 14. Mai 2017 feierten wir gemeinsam die Einsegnung von Naomi, Saskia und Salomé, nach zwei Jahren „Biblischer Unterricht“ mit Thomas Oehme. Wir danken für die fröhliche, kreative und schöne Ausgestaltung des Gottesdienstes.

Vorschau: Pastorenstelle

Viele Jahren wurde dafür gebetet, einen Teilzeitpastor einstellen zu können. Nun liegt eine Bewerbung vor, über die die Gemeinde am 11. Juni 2017 abstimmen wird.

Wir suchen einen finanziellen Unterstützerkreis, um eine Einstellung für mindestens 2 Jahre absichern zu können. Wer sich vorstellen kann, dies zu unterstützen, wendet sich bitte an Monika Pochert  oder den Mitarbeiterkreis.

April/Mai 2017

Jede Menge Zukunft

In unserer Gemeinde gibt es einen biblischen Unterricht. Schon mal davon gehört? Nein? Hier unser Steckbrief: Wir, das sind Saskia, Salome und Naomi und Thomas, drei Bibelunterrichtsschülerinnen und ein Lehrer, von diesem Schlüssel können andere Lehrer nur träumen.

Glauben_entdecken

Seit dem 17.9.15 treffen wir uns immer donnerstags 17 Uhr in unseren Gemeinderäumen zum biblischen Unterricht. Wir nutzen das Unterrichtsmaterial des Bundesverlages „Glauben entdecken“. Siehe auch: Glauben-entdecken.net. Jede Schülerin bekam im ersten Jahr einen Arbeitsordner für das Alte Testament und im zweiten für das Neue Testament. Nach einem für jeden von uns anstrengenden Schul- und Arbeitstag geht es also noch mal ans Arbeiten und Konzentrieren. Das ist manchmal nicht so leicht. So beginnt jeder Unterricht mit lockerem Austausch, wir essen etwas gemeinsam, kochen Tee oder was so da ist. Dann ist Thema angesagt.

Hier der Schnelldurchlauf der letzten 18 Monate: Altes Testament/ Die Bibel, das Buch, wie es entstand/ Gottesvorstellungen/ Gott führt Menschen und gestaltet Leben, haben wir anhand verschiedener Personen des Alten Testamentes kennengelernt/
Gottes Weg mit Israel: Gott hält seinem Volk die Treue/ Wüstenwanderung/Aufstieg und Niedergang der Könige/ Teilung des Reichens Untergang des Nord- und Südreiches, Exil und die Heimkehr ins Heilige Land, der Wiederaufbau.

Ach, schaut einfach mal in die Zeittafeln eurer Bibeln. Wir befinden uns aktuell gerade im Neuen Testament. Jesus Christus: Gott wird einer von uns/ Überblick über das Leben Jesu/Jesus sucht uns Menschen. Jesus leidet und stirbt für uns/ Jesus ist auferstanden!
Wir haben noch vor uns: die Gemeinde – ein Bauwerk Gottes und alles was Gemeinde ausmacht. Der Biblische Unterricht soll nicht nur unsere Köpfe mit biblischen Geschichtsdaten vollstopfen. Nein, das Unterrichtsziel ist ein anderes: Gott als unser Schöpfer und
Herr stellt sich uns Menschen vor. Er sucht eine Verbindung zu uns, er ist Realität in unserem Leben. Wir brauchen die Liebe Jesu und die biblischen Inhalte um für unser Leben gut gerüstet zu sein. Der biblische Unterricht soll eine Einladung zu einem Leben mit Christus sein.

Zum Unterrichtsende ist Kreatives angesagt. Manchmal machen wir ein Spiel, die Zeit ist oft schnell vorüber. Ein Dankeschön an dieser Stelle an alle, die uns mit Süßigkeiten, Eis, Pizza und anderem den Unterricht verschönt haben. Danke an die Gemeinde, die das
Unterrichtsmaterial gekauft hat. Für die Vorbereitung echt eine Entlastung. Wir wollen Gott danken, dass Bibelunterricht war.
Wir wollen Gott bitten um seinen besonderen Segen für unser weiteres Leben.

Februar/März 2017

Erste Hilfe

Es gehört zum Leben, dass man Kränkungen erfährt. Wer sie, einem schweren Rucksack gleich, anderen nachträgt, wird irgendwann davon erdrückt. Darum zehn gute Ratschläge, wie man mit Verletzungen umgeht:

ErsteHilfe

1. Ruhe bewahren.
Jede Aufregung verschlimmert nur die Wunde.

2. Mit Verständnis die Wunde behandeln.
Wie kam es zu dem Vorfall? Wir vertauschen die
Rollen und versetzen uns in den anderen hinein.

3. Die Wunde gründlich mit Freundlichkeit auswaschen. Darauf achten, dass aller Ärger und alle
Unversöhnlichkeit entfern werden.

4. Anschließend reichlich Nächstenliebe-Salbe auftragen. Dadurch schützt man sich vor Groll- und Bitterkeitsinfektionen.

5. Jetzt mit einem Verband der Vergebung umwickeln. Dadurch kann die Wunde ausheilen, ohne dass wir sie jeden Tag ansehen müssen.

6. Nicht am Wundschorf kratzen! Den Vorfall nicht immer wieder zur Sprache bringen, da sonst die Wunde neu aufbricht.

7. Selbstmitleid vermeiden. Das sind “Entzündungsschmerzen”, mit denen man sich vom anderen zurückzieht. Stattdessen entschuldigungen wirklich annehmen.

8. Mehrmals täglich ein gutes Wort Gottes einnehmen. Vor und nach der Einnahme ein volles Glas Gebet. Das hat eine schmerzstillende Wirkung.

9. Stets im Kontakt mit dem großen Arzt bleiben. Er wird raten und Hoffnung auf Ausheilung geben.

10. Die Heilung ist abgeschlossen, wenn der Verletzte seinen inneren Frieden mit Gott und seinen äußeren Frieden mit dem anderen gemacht hat.

Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung seien fern von euch samt aller Bosheit. Seid aber miteinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem anderen,
wie auch Gott euch vergeben hat in Christus! (Eph. 4,31f)

Winter 2016/ 2017

Präses Ansgar Hörsting zur Jahreslosung 2017

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.                                                                                                       Hesekiel 36,26

Gott versteht etwas von Erneuerung. Er ist extrem innovativ und war es immer. Durch seinen Heiligen Geist ist er ständig dabei, zu erneuern. Ich stelle mir Gott so vor, dass er daran sehr viel Freude hat und ständig überlegt, wie er wo wieder mal erneuern kann. Er tüftelt Erneuerungspläne aus. Wie ich darauf komme?

Durch den Propheten Hesekiel verspricht er ein neues Herz und einen neuen Geist. Herz und Geist, das sind Wille, Denken, Schaltzentrale des Menschen und somit auch Gefühle und Entscheidungen. Diese macht  Gott neu! Durch den Glauben an Jesus erneuert er fundamental: „Wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung, das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ (2Kor 5,17). Und am Ende wird er sogar einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen (Offb 21). Er beschreibt sein Handeln so: „Siehe, ich mache alles neu.“ (Offb 21,5).

Gott verändert, um zu retten

Erneuerung, die brauchte Israel und die brauchen wir dringend. Nicht im Sinne von „modisch“ oder „Hauptsache anders als bisher“. Es geht um mehr. Wir sind im alten Muster, in unserer Schuld gefangen und das ist tödlich. Der Prophet sprach in eine verfahrene Situation. Denn das von Gott erwählte Volk mag noch so gute Vorsätze und ebenso gute Voraussetzungen durch das Wirken Gottes in Israels Geschichte gehabt haben. Aber es zeigte sich, dass es aus eigener Kraft nicht in den Wegen Gottes geht und seine Gebote missachtet. Ein Dilemma, das letztlich jeden Menschen betrifft.

Gottes Erneuerungshandeln rettet und verändert. Und immer wünschen wir uns, mehr von Gottes Innovationen zu erleben. Deswegen legt Gott selbst Hand an und schenkt ein neues Herz und einen neuen Geist.

Aus Gewalt wird Liebe

Ich denke an einen Mann in einem asiatischen Land, den ich vor Jahren in einer illegalen Siedlung kennenlernte. Es war normal für ihn wie für seine Umgebung, seine Frau zu schlagen, wenn es zu Konflikten kam. Er kam im höheren Alter zum Glauben an Jesus Christus. Ohne dass irgendjemand mit ihm darüber gesprochen hätte, wurde ihm klar: Das geht so nicht. Ich kann und will meine Frau nicht mehr schlagen, ich will sie lieben. So erneuerte der Heilige Geist diesen Mann, seine Ehe und bald auch seine Frau. Ein Wunder, das Auswirkungen hatte.

Mir wurde klaransgar_hoersting_2015

Ich denke daran, wie Gott mich, als ich ihn kennenlernte, erneuerte. Mein Herz fand Frieden, ich wusste, wem ich gehöre. Es war wunderbar. Und ohne, dass mich irgendjemand ermahnt hätte, wurde mir klar: So wie bisher kann ich nicht mehr Alkohol trinken. Die Besäufnisse passen nicht zum neuen Leben, das Jesus mir geschenkt hat. Ich lebe nicht abstinent, aber kenne die guten Grenzen.

 Wir brauchen Erneuerung

Und so gibt es viele Felder, in denen Gott erneuert: in Beziehungen, wenn Schuld oder Schicksal es unmöglich erscheinen lassen, in Frieden miteinander zu leben. Dann brauchen wir das offene Wort. Und wir brauchen Versöhnung. Der Heilige Geist schenkt die Kraft dazu und er stupst uns an, Versöhnung immer wieder zu suchen.

In Gemeinden, wenn die äußeren Formen noch gewahrt werden und das Programm läuft, aber die Herzen kalt sind und das Wort Gottes im Raum hängen bleibt. Dann brauchen wir  Mut zur Bestandsaufnahme. Und wir brauchen Weisheit, harte Wahrheiten so auszusprechen, dass sie helfen und nicht zerstören. Der Heilige Geist schenkt beides. Er erneuert Liebe, Anteilnahme, er erneuert das, was Gemeinden lebendig macht: Freude, Lachen, Trost, Liebe, das sind seine Spezialgebiete. Und so werden Gemeinden erneuert.

Im persönlichen Leben, wenn wir uns müde und ausgebrannt fühlen. Der Heilige Geist kann uns zeigen, was sich ändern muss. Er ist nicht der, der uns ausbrennen lässt, ganz sicher nicht. Er zündet uns an, ohne dass wir ausbrennen. Er erneuert uns persönlich.

 Jahr der Reformation

2017 ist das 500. Jahr der Reformation. „Christusfest“ wird es genannt. Wir ehren das Andenken und fördern das Anliegen der Reformation, wenn wir auf Jesus Christus verweisen, immer und immer wieder. Wer an ihn glaubt, wird die erneuernde Kraft Gottes erfahren. Diese Kraft wird dann auch durch unsere Gemeinden fahren und uns Leidenschaft, Liebe und Freude schenken. Davon bin ich fest überzeugt.

Die Jahreslosung jedenfalls ist eine reformatorische Ansage: Gott schenkt ein neues Herz und einen neuen Geist. Er kann gut etwas anfangen mit unserem verlorenen Leben, den zerbrochenen Beziehungen, müden Gemeinden und ausgebrannten Herzen. Gott erneuert. Ich sehe ihn am Werk.

Herbst 2016

Die Freude der Taufe

Leitsätze zur Taufe in Freien evangelischen Gemeinden

  1. Im Neuen Testament wird die Taufe nicht als eigenständiges Thema behandelt, sondern im Zusammenhang mit Tod und Auferstehung Jesu Christi, dem Wirken des Heiligen Geistes, der Wiedergeburt, der Mission, der Gemeinde und dem Leben in der Nachfolge.
  2. Die Taufe hat ihren Grund im einmaligen Handeln Gottes in Jesus Christus zum Heil der Welt.
  3. Nach dem Neuen Testament ist die Taufe in sachlichem und zeitlichem Zusammenhang mit dem Beginn des Glaubens zu sehen und mit dem verbindlichen Leben in einer Gemeinde von Glaubenden.
  4. Die Taufe kann nur vollzogen werden aufgrund des persönlichen Glaubens, der durch Gottes Wort und Geist erweckt wird und zugleich dankbare und gehorsame Antwort des Menschen ist. Für diesen Glauben ist keine Stellvertretung möglich.
  5. In der Taufe begehrt der Glaubende, mit seiner ganzen Person öffentlich und endgültig unter die Herrschaft des Dreieinen Gottes gestellt zu werden. Gott bestätigt den Getauften als sein Eigentum und vergewissert ihn des Heils.
  6. Der Begriff „heilsnotwendig“ in Verbindung mit der Taufe ist dem Neuen Testament fremd; er stammt aus späterer Zeit. Auch die Taufhandlung als solche entscheidet nicht über das ewige Heil; dennoch ist die Taufe von Christus geboten.
  7. Wir können nach Inhalt und Form nur die Taufe von Glaubenden durch Untertauchen als neutestamentlich bezeichnen. Sie geschieht auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des  Heiligen Geistes.
  8. Wir sehen eine Taufhandlung, bei der der persönliche Glaube des Täuflings fehlt, nicht als Taufe an. Darum ist die Taufe aufgrund des Glaubens keine Wiedertaufe. Taufe ist unwiederholbar. Wenn jemand bereits als Säugling getauft wurde und aufgrund einer vor Gott getroffenen Gewissensentscheidung darin seine Taufe sieht, wird diese Überzeugung geachtet.
  9. Weil im Neuen Testament vorausgesetzt wird, dass zum Christsein die Taufe gehört, erwarten wir, dass jedes Gemeindeglied in der Tauffrage eine vor Gott verantwortete Entscheidung im Sinne dieser Leitsätze trifft.
  10. Alle christliche Lehrbildung geschieht unter dem Vorbehalt, dass unsere Erkenntnis Stückwerk ist. Das gilt auch für das Taufverständnis in Freien evangelischen Gemeinden. Dennoch wissen wir uns verpflichtet, unserer Taufüberzeugung entsprechend zu lehren und zu handeln, ohne Christen mit anderen Taufauffassungen zu verurteilen.

Die Leitsätze stehen im Internet unter www.dokumente.feg.de zum Download zur Verfügung.

Die Leitsätze wurden in mehreren Gesprächen von Bundesleitung und Lehrerschaft und unter Einbeziehung einer Aussprache darüber mit der Predigerschaft erarbeitet und den Teilnehmern der Rüstzeiten für Gemeinde-Mitarbeiter im Oktober/November 1982 vorgelegt.

Die Leitsätze sind nicht als „Tauflehre“ im Bund Freier evangelischer Gemeinden zu verstehen, sondern als Orientierungshilfe in der Gemeinde und im gegenwärtigen zwischenkirchlichen Gespräch.

Quelle: Christsein Heute 2/2011

Sommer 2016

Von Ansgar Hörsting, Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden

„Bewegt von Gottes Liebe bauen wir lebendige Gemeinden“

Unter diesem Leitmotiv wollen wir leben und arbeiten: Gottes Liebe soll uns bewegen. Wir wollen Gemeinden bauen. Es sollen lebendige Gemeinden sein, die entstehen und sich im Bund FeG versammeln. Mit unseren Initialen ist so etwas wie der genetische Fingerabdruck von „FeG“ beschrieben. Es lohnt sich, uns kennenzulernen.

„F“ wie frei
„Wenn der Sohn euch frei macht, dann seid ihr wirklich
frei“, sagt Jesus von sich selber. Frei von Sünde, von erdrückender
Sorge, von versklavender Lüge. Diese Freiheit
wollen wir entdecken und darin leben. Freie evangelische
Gemeinden wollen außerdem die freimachende Botschaft
von Jesus Christus mit Worten und Taten weitersagen.
Deshalb kapseln sich die Gemeinden nicht ab, sondern
teilen ihr Leben mit solchen, die Jesus noch skeptisch
und zurückhaltend gegenüber stehen. Deshalb gründen
sie auch neue Gemeinden. Ständig suchen sie nach geeigneten
Wegen, das Evangelium in einer zeitgemäßen und
allgemein verständlichen Form zu vermitteln.

„e“ wie evangelisch
Das „Evangelium“ ist die „Gute Nachricht“ von Gottes
Liebe. Die hat er in Jesus Christus auf einzigartige Weise
gezeigt. Als er vor 2000 Jahren starb und auferstand, hat
Jesus Christus das Heil für uns Menschen geschaffen.
Das ist Gottes befreiende Gnade. Sie bewirkt auch den
Glauben, mit dem wir bis heute in dieser Liebe verwurzelt
sind. Wir glauben, dass die Bibel Gottes Wort ist und
wir nur in ihr zuverlässig von Jesus Christus erfahren.
Christus, Gnade, Glaube und Bibel – das sind die „evangelischen“
Merkmale, aus denen wir leben.

„G“ wie Gemeinde
Jesus Christus ist das Zentrum der Gemeinde. Deswegen
ist Voraussetzung für die Mitgliedschaft auch der persönliche
Glaube an ihn. Jede Gemeinde ist selbständig und
entdeckt und braucht die Begabungen ihrer Mitglieder.
Ihre Pastoren und Mitarbeiter beruft sie eigenverantwortlich.
Sie finanziert sich durch Spenden und entscheidet
über alle wichtigen Fragen eigenständig. Die Gemeinde
ist der Raum zum persönlichen und gemeinsamen
Wachstum. Mit anderen Gemeinden bildet sie einen Bund und teilt mit der weltweiten Christenheit das apostolische Glaubensbekenntnis.

Februar/ März 2016

Das „Jahr der Dankbarkeit“ lädt zum Mitmachen ein, …

Ein dankbares Leben ist ein gesundes Leben. Körperlich, seelisch und geistlich. Dieser Kultur der Dankbarkeit wollen wir mit dem „Jahr der Dankbarkeit“ Raum verschaffen. Wir laden dazu ein, das in drei Bereichen zu tun.

·        Persönlich

den persönlichen Dank an Gott wachsen zu lassen: Dank für die vielfältigen Geschenke im eigenen Leben, Dank für Freiheit, Frieden.

·        Der kleine Kreis

Dankbarkeit im zwischenmenschlichen privaten Bereich ­intensiver zu leben: in Ehe oder Familie genauso wie in Büro, Nachbarschaft oder Sportverein.

·        Gesellschaft

eine Kultur der Dankbarkeit in Kirche und Gemeinde einzu­üben – und darüber hinaus dann auch die missionale Dimension des Themas ins Spiel zu bringen: Dankbarkeit zu leben in der ­Gesellschaft gegenüber den vielen oft für selbstverständlich genommenen Einrichtungen, die unser Leben erleichtern und begleiten.

Den Ideen sind keine Grenzen gesetzt. Eine neue Kultur der Dankbarkeit entsteht im Land. Menschen lernen neu, einander zu danken. Das ist unser Traum. Das Gute ist: Jede und jeder kann mitmachen!

http://jahr-der-dankbarkeit.net/

Dezember 2015 / Januar 2016

Jesaja 66,13: Gott spricht: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“

Hoersting
Ich brauche Trost. Zum Beispiel, wenn ich frustriert bin, weil ich mich bis zum Umfallen engagiert habe und es danach vor allem Kritik hagelt. Das macht fertig. Oder wenn ich traurig bin, weil mir jede Perspektive abhandengekommen ist oder der Schwung für neue Taten. Vor allem, wenn jemand stirbt, der mir viel bedeutet, brauche ich Trost.
Das geht Ihnen sicherlich auch so. Nicht immer, zum Glück, aber immer mal wieder. Wir brauchen Trost immer dann, wenn uns etwas verloren geht, das unser Leben ausgemacht hat: sei es die Heimat, sei es der Job, die Ehe oder eben ein Mensch. Und wenn ich die Nachrichten sehe, die sich meistens um Katastrophen drehen, frage ich mich: Ist die Welt noch bei Trost?
Ich habe zwei Arten des Trostes entdeckt. Die eine ist ein Mensch, der mich einfach seine Nähe spüren lässt. Vor dem ich mich nicht rechtfertigen muss. Die andere ist eine neue Perspektive, die ich gewinne. Das frustrierende Projekt sieht ein anderer Mensch mit ganz anderen Augen. Durch ein paar Sätze zeigt er mir: Es geht weiter.
Als ich die Jahreslosung 2016 das erste Mal las, fragte ich mich: Trösten Mütter eigentlich anders als Väter? Vielleicht sogar besser? Ich machte eine spontane, nichtrepräsentative Umfrage. Dabei hörte ich, dass manche Mütter viel zu beschäftigt waren, um zu trösten. Sie waren hart geworden. Das ist bedauerlich, sowohl für die Kinder als auch für die Mütter. Denn ich bin überzeugt: Eigentlich wollen sie trösten. Und sie können es auch. Durch den Propheten Jesaja sagt Gott diese großartigen Worte: „Ich tröste wie eine Mutter.“
Aber wie macht Gott das? Viele Bilder zur Jahreslosung zeigen Mütter, die ihr Kind tröstend im Arm halten. Die bildhafte Botschaft lautet: Gott nimmt seine Kinder in den Arm. Allein seine Nähe ermutigt. Seine Nähe hat er uns zugesagt – ganz besonders denen, die verzweifelt sind. Denen, die zerbrochene Herzen haben, ist Gott nah (Psalm 34,19). Aber der Prophet Jesaja geht darüber hinaus. Gott handelt. Gott schafft neue Fakten. Gott wirkt mitten in dieser Welt. Und er kündigt es durch sein Wort an. Er vermittelt also nicht nur Nähe, er tut auch etwas bahnbrechend Neues. Er tröstet wie eine Mutter, die nicht nur pustet (das auch), sondern sich der feindlichen und lebensbedrohlichen Welt mit Tatkraft und Mut entgegenstellt und sie verändert.
Sehr interessant ist, woher das Wort „Trost“ kommt. Der DUDEN erklärt, dass es mit „treu“ zu tun habe, mit „innerer Festigkeit“, mit „stark und fest sein“. Wer tröstet, gibt Halt, Stärkung und Ermutigung. Er gibt etwas, woran man sich festhalten kann. Allen, die Trost brauchen, sei es hier und jetzt gesagt: Gott tröstet sie, wie einen seine Mutter tröstet. Er ist ihnen nahe und er schenkt ihnen Halt, einen festen Grund und eine neue Perspektive.
„Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?“, fragt der Heidelberger Katechismus. Man könnte auch fragen: Was gibt dir letztgültigen Halt, innere Festigkeit und Orientierung? Und hier gibt dieser alte Text die Antwort: „Mein Trost ist, dass ich mit Leib und Seele Jesus gehöre. Das gilt im Leben und auch, wenn ich sterbe.
Der allmächtige Gott tröste Sie durch Jesus Christus in der Kraft des Heiligen Geistes, der auch „der Tröster“ genannt wird.
Ansgar Hörsting, Präses Bund Freier evangelischer Gemeinde

Anmerkung: Dieser Text ist die gekürzte Fassung des Beitrags von Präses Ansgar Hörsting zur Jahreslosung